Michelle Obama – Ihre Geschichte

Michelle LaVaughn Robinson Obama – Rechtsanwältin, Autorin, Mutter zweier Töchter und ehemalige First Lady der USA, veröffentlichte 2018 ihre Biografie, in der sie tiefe und vor allem ehrliche Einblicke in ihre ganz persönliche Geschichte gibt.

In „Becoming“ blickt sie auf die Zeit zurück, in der sie als erste schwarze First Lady der Vereinigten Staaten von Amerika an der Seite ihres Mannes Barack Obama rundum die Welt reiste, von den Einen beschimpft, von den Anderen gefeiert wurde. „Seitdem ich zögerlich in die Öffentlichkeit trat, hat man mich als mächtigste Frau der Welt hochgehalten und gleichzeitig als, zornige schwarze Frau‘ niedergemacht“, schreibt sie gleich am Anfang ihres Buches.

Michelle Obama wurde am 17. Januar 1964 in South Side Chicago geboren. Der Großteil ihrer Vorfahren waren Sklaven aus den Südstaaten, 2009 entschlüsselten Forscher ihren Stammbaum und stellten fest, dass sie auch weiße Wurzeln hat, die vermutlich nach Irland zurückgehen. Als Tochter einer Sekretärin und eines gelernten Metzgers, der sich später zum Maschinisten umschulen ließ, wuchs sie in recht einfachen Verhältnissen im Haus ihrer Tante auf. Ihr Zimmer teilte sie sich damals mit ihrem älteren Bruder Craig, ein selbstgebauter Raumteiler schaffte etwas Privatsphäre.

Im Buch erzählt sie von den starr und streng wirkenden Klavierstunden mit ihrer Tante, der Zeit mit ihrem Bruder, den sie stets für seine innere Ruhe bewunderte, ihren Eltern, die ihr früh beibrachten, ihre Meinung zu sagen und ihrer ersten Begegnung mit ihrem späteren Ehemann Barack Obama. Sie spricht über die Erkrankung ihres Vaters mit Multipler Sklerose, der trotz seines Leidens immer versuchte, der Fels in der Brandung der Familie zu sein. Wie sich die Nachbarschaft, in der sie aufwuchs, langsam transformierte, der Großteil der weißen Familien wegzog und sich in den Straßen Armut und Gewalt mehr und mehr ausbreiteten. Ihren Ehrgeiz und den Willen zu lernen verlor Obama aber trotz aller Veränderungen und Hürden nie.

1981 beendete sie als eine der besten ihrer Klasse die Whitney Young Magnet High School, ehe sie 1985 an der Princeton University die Fächer Soziologie und Afroamerikanische Studien mit dem Bachelor of Arts abschloss. „Princeton war extrem weiß und sehr männlich dominiert“, erinnert sie sich. „In meinem Freshman-Jahrgang machten schwarze Studenten nur knapp neun Prozent aus.“ Wie Mohnsamen in einer Schüssel Reis beschreibt Obama das Verhältnis von weißen und schwarzen Studenten.

Drei Jahre nach dem Abschluss an der Princeton University erhielt sie den akademischen Grad Juris Doctor an der Harvard University. Später arbeitete sie in der Anwaltskanzlei „Sidley & Austin“, wo sie auch Barack Obama, der als Praktikant in die Kanzlei kam und als dessen Mentorin sie fungierte, kennenlernte. Die Lehrerin, die ihr damals attestierte, sich nicht sicher zu sein ob sie „zum Material für Princeton zählen würde“, belehrte sie eines Besseren.

1992 heiratete sie schließlich den späteren 44. Präsidenten der USA, 1998 brachte sie ihre erste Tochter Malia Ann, 2001 Natasha – beide durch künstliche Befruchtungen – auf die Welt. Michelle Obama schreibt in ihrem Buch offen über ihre Fehlgeburt, die ihr damals das Gefühl gab, versagt zu haben, „weil ich nicht wusste, wie häufig Fehlgeburten waren, weil wir nicht über sie gesprochen haben“, wie sie dazu in einer amerikanischen Talkshow erklärte.

Die Entscheidung ihres Mannes, Präsident der Vereinigten Staaten werden zu wollen, veränderte das Leben der Familie völlig. „Allein waren wir nie. Helfer umschwirrten uns, Agenten bewachten uns, Presseleute warteten auf Interviews, Passanten knipsten Fotos aus der Ferne. Das war unser neuer Alltag“, schreibt sie offen. Für die Politkarriere ihres Mannes gab sie die ihre vorübergehend auf. Zuvor war sie führend am University of Chicago Medical Center tätig, baute außerdem die Chicagoer Sektion der Nichtregierungsorganisation „Public Allies“ auf, die junge Menschen auf Führungspositionen im öffentlichen Dienst vorbereiten soll.

Später engagierte sie sich aktiv im Wahlkampf Baracks, hielt Reden und führte zahlreiche Interviews. Für ihren Mann war Michelle stets eine Stütze und redigierte sogar seine Ansprachen. 2008 wurde sie außerdem auf Platz 9 der einflussreichsten Harvard Law School Absolventen gelistet.

Einfach war die Zeit als Frau an der Seite des US-Präsidenten nicht immer. „Sowohl Barack als auch ich legten so gut wie jeden Aspekt unserer Leben in die Hände eines Haufens von Leuten zwischen zwanzig und dreißig, die zwar hochintelligent und kompetent waren, aber nicht ahnen konnten, wie schmerzhaft es manchmal war, die Kontrolle über das eigene Leben abzugeben“, so die heute 55-Jährige. Die Erziehung ihrer zwei Töchter „mit der Politik, mit Amerika, mit Baracks Streben danach, etwas zu bewirken“ zu vereinbaren, beschreibt sie als herausfordernd.

In einer Szene am Beginn ihres Buches erzählt die ehemalige First Lady von ihrem neuen roten Backsteinhaus, nur etwa zwei Meilen vom alten Zuhause entfernt, in dem sie einen Abend ganz alleine, ohne Familie, ohne Personal und ohne Security in ihrer unmittelbaren Nähe verbringt. Ein Moment, den sie nach acht Jahren im Weißen Haus als erste richtige Gelegenheit zur Besinnung empfindet.

„Bis vor kurzem war ich die First Lady der Vereinigten Staaten von Amerika – ein Beruf, der offiziell gar kein Beruf ist, mir aber trotzdem ein Podium geboten hat, wie ich es mir nie hätte träumen lassen. Er hat mich herausgefordert, mich demütig gemacht, mich emporgehoben und niedergestreckt, nicht selten sogar beides gleichzeitig“, blickt sie auf die bewegte Zeit zurück.

Nach dem Ende der zweiten Präsidentschaftsperiode ihres Mannes zog sie sich gemeinsam mit ihrer Familie für eine Weile aus der Öffentlichkeit zurück, ihr Engagement für die Rechte von Minderheiten, für Bildung in ärmeren Ländern und für ein besseres Ernährungsbewusstsein hat sie aber nie aufgegeben. Mit der Publikation ihrer Biografie machte sie wieder einen Schritt zurück in die Öffentlichkeit. Innerhalb von wenigen Tagen nach der Veröffentlichung galt das Buch als Bestseller, verkaufte sich in Nordamerika in den ersten 15 Tagen über zwei Millionen Mal. Für viele gilt Michelle Obama wohl als ein Paradebeispiel für den „American Dream“ – als erste schwarze First Lady, Rechtsanwältin, Autorin, Mutter und Aktivistin hat die heute 55-jährige viel erreicht. Den Weg dorthin, mit all seinen Facetten, Höhen und Tiefen, zeichnet sie in „Becoming“ ehrlich und authentisch nach.

Infobox: Die deutsche Erstausgabe von „Becoming“ erschien im November 2018 im Goldmann Verlag. Auf 544 Seiten gibt die ehemalige First Lady Michelle Obama ganz persönliche Einblicke in ihren Werdegang.

Bilder: Official White House Photo by Chuck Kennedy

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