Höchste Schneiderkunst

Seit 161 Jahren ist Knize Synonym für Qualität und Handwerk und gilt darüber hinaus als eine der ältesten Herrenmarken der Welt. SOCIETY sprach mit dem Geschäftsführer Rudolf Niedersüß und seiner Frau Dr. Claudia Niedersüß.

Am prachtvollen Graben im Zentrum Wiens gelegen, steht Knize seit 1858 für hochwertigste Schneiderkunst und feinste Anzugmode nach Maß.

Gegründet wurde das Unternehmen von dem aus Böhmen stammenden Schneidermeister Josef Knize, anfänglich befand sich das Geschäft noch Am Hof 3. Erst zwischen 1910 bis 1913 hielt Knize Einzug in die neue Lokalität am Wiener Graben. Der bekannte österreichische Architekt Adolf Loos gestaltete damals in dem für ihn typisch reduzierten und rationalen Stil die neuen Geschäftsräume. Auch heute noch wird alles, was bei Knize verkauft wird, in der Werkstatt an derselben Adresse hergestellt. „Jede einzelne Krawatte die wir anbieten, wird auch hier angefertigt, und für mich sind das die bestgenähten Krawatten der Welt“, so Geschäftsführer Rudolf Niedersüß stolz.

Im vergangenen Jahrhundert fand man Knize-Niederlassungen in New York, Paris, Bad Gastein und Berlin. „Momentan planen wir auch wieder, weitere Filialen zu eröffnen, aber dazu müssen wir erst die optimalen Standorte bekommen“, so die Ehefrau des Geschäftsführers, Frau Dr. Claudia Niedersüß weiter. Gegenwärtig gibt es noch eine Dependance in Prag, die 2012 eröffnet wurde.

Wien, mit seinen prächtigen Bällen und traditionsreichen Musikveranstaltungen, bietet eine ideale Bühne für die Handwerkskunst Knizes, so findet ein Frack oder Smoking hier das ganze Jahr über seine Verwendung. „Außerdem gibt es in Wien viele Menschen, die auf Tradition und Qualität achten und generell ist das Leben noch nicht ganz so schnell wie in anderen Städten“, so Dr. Niedersüß.

Schon Kaiser und Erzherzöge des 19. Jahrhunderts wussten die Qualität Knizes zu schätzen. Der Vater der heutigen Queen, der spanische König und viele andere Aristokraten ließen sich gerne vom Meisterschneider einkleiden, aber auch Stars wie Marlene Dietrich, Billie Wilder und Marilyn Monroe zählten ihrer Zeit zu den Kunden. „Das Besondere an einem Knize-Anzug sind die extrem hochwertigen Stoffe und Materialien. Der Anzug wird dann so angepasst, dass er sich für den Kunden wie eine zweite Haut anfühlt“, erklärt Frau Dr. Niedersüß im Interview. Er kommt außerdem ganz ohne Verklebungen aus, was die Verarbeitung zwar um vieles aufwändiger aber auch hochwertiger macht.

Rudolf Niedersüß hat selbst die Schule für Mode- und Bekleidungstechnik in Michelbeuern absolviert und ist bereits seit 1956 bei Knize, wo er auch seinen Meister machte. 1976 übernahm er das Unternehmen und steht seitdem maßgeblich für die Marke.

Sogar in den „New Yorker“, ein renommiertes US-amerikanisches Magazin, schaffte es Knize als einer der drei besten Herrenausstatter Europas. „Das brachte uns damals viele neue amerikanische Kunden“, erzählt Rudolf Niedersüß. „Unseren Käufern ist vor allem die Qualität wichtig, der Preis spielt eine eher untergeordnete Rolle“, so Niedersüß weiter. Knize ist einer der wenigen Herrenausstatter mit eigener Linie, die in den 1920er Jahren vom Designer Ernst Deutsch Dryden entworfen wurde. Er war außerdem maßgeblich an der Kreation des „Knize Ten“ beteiligt, das als eines der ältesten Herrenparfums der Welt gilt. 161 Jahre nach seiner Gründung ist Knize nach wie vor eine Institution und Top-Anlaufstelle für Anzüge nach Maß. Das anfänglich recht klein wirkende Geschäft am Wiener Graben, das sich schnell  als ein spannendes, nicht zu enden scheinendes Labyrinth entpuppt, versprüht seinen traditionellen und edlen Charme auch heute noch und führt einem die Schönheit und Langlebigkeit der Handwerks- und Schneiderkunst meisterhaft vor Augen.

Fotos: Pascal Schrattenecker

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