PORR – Innovativ und nachhaltig

SOCIETY traf Karl-Heinz Strauss, CEO der PORR AG und sprach mit ihm über die Wichtigkeit gut ausgebildeter MitarbeiterInnen und die Zeiten der Digitalisierung.

Die PORR AG ist ein international agierender Baukonzern. In welchen Ländern ist die PORR gegenwärtig besonders umfangreich tätig?

Auf der einen Seite haben wir fünf Heimmärkte – in diesen Ländern gehören wir zu den führenden Bauunternehmen und bieten alle Leistungen an, die eine Baufirma anbieten kann. Dazu gehört natürlich Österreich, wo wir auch Marktführer sind. Deutschland ist unser zweitwichtigster Markt – da gehören wir auch schon zu den Top 5. Des Weiteren gibt es noch die Schweiz, Polen und Tschechien. Darüber hinaus haben wir sogenannte Projektmärkte, wo wir „nur“ spezielle Themen der Infrastruktur, des Tunnel- und Bahnbaus anbieten, kaum Hoch-, sondern eher Tiefbau. Da gehört Katar dazu, die Slowakei, Norwegen, England und Rumänien. Wenn es in einem Land interessante Projekte gibt, schauen wir natürlich sehr genau, ob das wirtschaftliche und rechtliche Umfeld passt, bevor wir das jeweilige Projekt unser eigen machen.

Nehmen wir einen Heim- und einen Projektmarkt als Beispiel: was können Sie uns über den Markt in Katar und den Markt in Polen erzählen?

Wir haben uns bereits Ende 2010 dazu entschlossen nach Katar zu gehen – Katar war und ist für uns ein erfolgreicher Markt mit starken lokalen Partnern. Angefangen von U-Bahnlinien, die dann auch mit unserem System fester Fahrbahn ausgestattet werden, bis hin zu Kreuzungspunkten, diverse Unterwasserprojekte und natürlich ein Fußballstadium. Man darf hier aber nicht vergessen, dass Katar abseits der Fußball-WM über 100 Milliarden Dollar in die Infrastruktur investiert. Ungefähr acht Milliarden Dollar werden für den Ausbau der Stadien kalkuliert. In Polen sind wir ja sowohl im Hoch- als auch im Tiefbau tätig. Wir bauen dort Pipelines, Straßen und weitere Projekte im Bereich Infrastruktur, sehr stark sind wir dort auch im Bahnbau tätig.

Welche aktuellen Großprojekte hat die PORR AG?

In Österreich möchte ich als Beispiel den Bau beim QBC oder ICON anführen. Große Wohnprojekte haben wir in Wien in der Triesterstraße und am Rosenhügel. Wir haben aktuell auch viele Tunnelprojekte wie beispielsweise in Obervermunth, Stuttgart 21 und den Emscherkanal in Deutschland. Auch das Al Wakrah Stadium in Doha zählt dazu. Wir bauen derzeit eine Kläranlage in Oslo und sind mit mehreren Tunnelbauprojekten in Norwegen vertreten. In der Schweiz bauen wir den Albulatunnel und haben Aufträge für Bauten der Schweizer Bundesbahnen. Am Züricher Bahnhof realisieren wir an der Europaalle Projekte um 300 Millionen rund um den Bahnhof – eine Riesenverantwortung, aber tolle motivierte Leute. Auch in Deutschland werden für Infineon und Osram Reinräume und Fabriken gebaut. In Grafschaft bei Bonn haben wir gerade eine Produktionsanalage für Haribo fertiggestellt. Das erste Halbjahr 2017 war kein leichtes für die PORR AG – die Medien berichteten, dass Sie den Konzern trotzdem auf Kurs sehen.

Wie kommt es zu dieser positiven Haltung?

Wir sind sehr stark gewachsen, im ersten Halbjahr 2017 um 20 Prozent. Wenn das Wetter bis Weihnachten mitspielt, werden wir auch im zweiten Halbjahr in einem ähnlichen Ausmaß wachsen – einerseits organisch, andererseits durch Zukäufe. Wir haben einen sehr hohen Auftragsbestand und der muss jetzt gewinnbringend abgearbeitet werden. Deswegen sind wir grundsätzlich sehr positiv. Durch Integrationskosten vor allem in Deutschland und durch geänderte politische Rahmenbedingungen   wie Bereinigungen in Katar, kommt es zu Bereinigungen und Deutschland und wir  – werden wir den Gewinn vom letzten Jahr nicht toppen, aber nahe ran kommen.

Wie viele Mitarbeiter hat die PORR AG?

Wir haben derzeit 18.000 MitarbeiterInnen. Allein 2017 sind 2.000 MitarbeiterInnen hinzugekommen. Jetzt müssen die Leute integriert werden. Was tut ein PORRianer und wie tut er das? Unser Spirit: Handschlags-Qualität, offen, transparent, wertschätzend usw. Das gilt es unseren neuen KollegInnen nahezubringen. Bei uns arbeiten MitarbeiterInnen aus 60 Nationen. Wir arbeiten in einer virtuellen Welt, aber am Ende des Tages gibt es Tunnel und Brücken im realen Leben. Ich glaube auch, dass die Bauindustrie jungen Menschen eine interessante Zukunft bieten wird, weil der digitale Raum und das reale Leben in diesem Bereich sehr gut miteinander verbunden sind. Und es wird weiterhin der Mensch wichtig sein, nicht der Roboter. Weil das Fundament der Baufirma natürlich die leistungsbereiten, gut ausgebildeten MitarbeiterInnen sind.

In welchen Bereichen sehen Sie die größten Herausforderungen für Bauunternehmer?

Einerseits, dass wir alle unsere Prozesse digitalisieren müssen. Noch wichtiger ist es aber, gut ausgebildete und motivierte MitarbeiterInnen zu bekommen, um die Herausforderungen der Zukunft erfolgreich zu meistern. Das wird immer schwieriger – der „War for Talents“ ist voll im Gange. An Märkten wie Österreich und Deutschland, die derzeit sehr stark boomen, sieht man, dass das Wachstum automatisch begrenzt ist, mangels geeigneter, gut ausgebildeter und motivierter MitarbeiterInnen. PORR ist nun 148 Jahre alt – in dieser Zeit ist viel passiert. Deswegen ist es auch so wichtig nach vorne zu schauen, und den Weg auf der PORR-Straße konsequent weiter zugehen, egal was links und rechts passiert.

Gibt es Projekte, die Sie als besonders innovativ sehen würden?

Innovativ ist in erster Linie unsere Herangehensweise. Wir planen sehr viel im digitalen Standard. Die Kommunikation der PORR mit den Baumaschinen ist M2M. Das hat die PORR derzeit als einzige. Der Mensch soll weiter im Mittelpunkt stehen, aber wir schauen, dass wir mit der Digitalisierung die Prozesse möglichst einfach gestalten.

Bee@PORR

Ein Beispiel für die nachhaltige Arbeit des PORR-Konzerns zeigt sich in dem Projekt bee@PORR. Unter diesem Motto bietet die PORR konzernweit Bienenvölkern ein Zuhause – aktuell an über 30 Standorten und laufend werden es mehr. Mit der Initiative setzt das Unternehmen aktiv Schritte, um dem Bienensterben entgegenzuwirken. Denn intelligentes Bauen heißt auch Verantwortung übernehmen. „Das bedeutet für uns auch, dass wir uns für unsere Umwelt engagieren. Weil nachhaltiges Handeln zentraler Teil der PORR Unternehmenskultur und unserer gesellschaftlichen Verantwortung ist. Den Bienen muss geholfen werden und wir als PORR wollen einen Beitrag dazu leisten“, ist das klare Bekenntnis von CEO Karl-Heinz Strauss.

„Wenn die Biene von der Erde verschwindet, dann hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.“ (Albert Einstein)

In immer größeren Teilen der Welt gehen die Bienenbestände dramatisch zurück. Wie eine aktuelle Erhebung der Universität Graz zeigt, hat österreichweit etwa ein Viertel der Bienenvölker den Winter nicht überlebt. Das sind die dritthöchsten Verluste der letzten zehn Jahre. Die Gründe dafür sind vielfältig, die Bedeutung der Bienen für unserer Ökologie und Wirtschaft ist aber unumstritten. Nach dem Rind und dem Schwein ist die Biene das drittwichtigste Nutztier. PORR stellt deshalb Imkern notwendige Plätze für ihre Bienenvölker zur Verfügung, zum Beispiel am Gelände und auf den Dächern unserer Niederlassungen. Allein am Dach der Konzernzentrale in Wien-Favoriten stehen sechs Bienenstöcke, die jeweils rund 60.000 Bienen beherbergen. Bei der Initiative bee@PORR ist der ganzheitliche Aspekt ein Anliegendes Unternehmens. Deswegen sollen bevorzugt Bienenstöcke aus unbehandeltem Holz verwendet werden. Einen Teil der für Österreich bestellten Bienenwohnungen hat die PORR über die Institution „Grüner Kreis“, eine Einrichtung für die Rehabilitation und Integration suchtkranker Menschen, bezogen.

Urban Beekeeping

Auch das Thema Aus- und Weiterbildung ist der PORR ein Anliegen. Seit April 2017 befindet sich am Dach der PORR Zentrale ein spezieller Bienenstand des Wiener Landesverbandes für Bienenzucht. Er wird künftig der Imkerschule Wien zur Abhaltung von Spezialkursen, in denen das Stadtimkern auf Hausdächern vermittelt wird, zur Verfügung stehen: Praxis für das Imkern am Dach – powered by PORR. Aktuell arbeitet die PORR sowohl mit externen Profis als auch mit Hobby-Imkern zusammen – denn Bienenliebhaber sind auch innerhalb der PORR zahlreich vertreten. Bereits einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in ihrer Freizeit leidenschaftliche Imker und es werden stetig mehr. Auch außerhalb von Wien ist ein reges Bienentreiben erkennbar, denn bereits an 30 Standorten des Unternehmens gibt es Imkereien. Und es werden laufend mehr. Die Koordination und die Projektabwicklung vor Ort übernehmen unsere freiwilligen PORR „Bienen-Beauftragten“. Der wirtschaftliche Wert der Bestäubungsleistung der Bienen für die Landwirtschaft wird für Europa auf 65 Milliarden Euro jährlich geschätzt. Abgesehen von diesen beeindruckenden Zahlen leisten die Bienen aber noch etwas ganz Anderes: Sie versüßen uns mit ihrem Produkt tagtäglich das Leben. Als Dankeschön behalten unsere Imker zwei Drittel des Honigs.

Begeisterte Mitarbeiter

Imker Siegmar Lengauer, Prokurist und Gruppenleiter der PORR Bau GmbH: „Eine Zukunft ohne Bienen will ich einfach nicht zulassen. Einen kleinen aktiven Beitrag zu leisten, um das Bienensterben zu verhindern – das sehe ich als unsere gemeinsame Aufgabe an.“
Markus Bichler, Bauleiter in der PORR Deutschland GmbH: „Schon als kleiner Junge habe ich meinem Opa in Tirol mit seinen Bienen geholfen, da mich die Tiere immer schon faszinieren. Mit der Imkerei will ich meinen Kindern etwas für ihr Leben mitgeben, nämlich dass man mit der Natur leben und sich deren Rhythmus anpassen sollte. Nun habe ich das Glück, dass ich mein Hobby auch bei der PORR integrieren und somit meine Beweggründe auch meinen Kolleginnen und Kollegen vermitteln kann.“

 

Fotos: PORR

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