100 Jahre Republik Österreich

Anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Republik Österreich sprach SOCIETY mit Bundespräsident a.D. Dr. Heinz Fischer, der die Organisation des Gedenkjahres innehat.

Sie wurden von der Regierung mit der Organisation des Gedenkjahrs betraut. Welche Aktivitäten sind im kommenden Jahr anlässlich der 100-Jahr-Feiern der Gründung der Republik Österreich im Jahre 1918 geplant?

Neben dem offiziellen Staatsakt am 12. November 2018, dem 100. Jahrestag der Republiksgründung, wird es noch zahlreiche weitere kulturelle Veranstaltungen und Publikationen im Zusammenhang mit den Republiksfeierlichkeiten geben. So fällt der offizielle Startschuss für das Gedenk- und Erinnerungsjahr 2018 bereits am 11. Jänner im Rahmen der Wiener Vorlesungen im Wiener Rathaus.
Zeitgleich mit dem offiziellen Staatsakt der Republik Österreich geht die Eröffnung des „Haus der Geschichte Österreich“ einher.

Die Mitglieder des Beirats legen außerdem auch hohen Wert auf die Zusammenarbeit mit unseren Nachbarstaaten. Unter anderem planen wir gemeinsame Aktivitäten mit der Tschechischen Republik und der Slowakischen Republik hinsichtlich des Jahres 1918 und des Prager Frühlings im Jahr 1968. Auch das Gedenken an den „Anschluss“ und das Novemberpogrom vor genau 80 Jahren ist dem Beirat ein besonderes Anliegen.

Welche inhaltlichen Schwerpunktsetzungen sind Ihnen persönlich ein besonderes Anliegen?

Das kommende Jahr zeichnet sich für mich dadurch aus, dass wir nicht nur einen, sondern eine Vielzahl an Jahrestagen begehen werden. Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 100-jährigen Republiksjubiläum im November 2018 möchte ich insbesondere auf das ebenfalls im November 1918 beschlossene Frauenwahlrecht hinweisen, auf dessen Grundlage im Februar 1919 das allgemeine und gleiche Wahlrecht für Frauen und Männer zum ersten Mal angewendet werden konnte.

Auch das Jahr 1938 spielt – wie schon erwähnt – eine wichtige Rolle, da wir die tragischen Ereignisse des Jahres 1938, mit dem sogenannten Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland und den darauffolgenden Novemberpogromen nicht in Vergessenheit geraten lassen wollen.

Die 1948 erfolgte Allgemeine Erklärung der Menschenrechte jährt sich 2018 zum 70. Mal. Ihr haben wir es zu verdanken, dass Menschenrechte seither verstärkt und viel nachhaltiger als früher im Scheinwerferlicht des öffentlichen Interesses liegen.

Gehen wir in der Geschichte weiter zurück, stoßen wir auch auf die Revolution 1848, in der die Wurzeln des Verfassungsstaates und des modernen Parlamentarismus liegen, die kommendes Jahr 170 Jahre alt werden. Auch zu diesem Thema wird es Veranstaltungen geben.

Natürlich steht das hundertste Jubiläum der Republiksgründung im Fokus des kommenden Jahres, wobei aber alle diese historischen Ereignisse in einem inneren Zusammenhang stehen. So sehr ich die Geschichte unseres Landes zu schätzen weiß, bin ich der Meinung, dass wir kommendes Jahr auch in die Zukunft blicken müssen. Aus diesem Grund findet im April 2018 ein internationales Zukunftssymposium statt, das von der Österreichischen Nationalbank gestaltet wird.

Sie haben in diesem Kontext den Vorsitz über einen ehrenamtlich tätigen Beirat, der sich auch um die internationale Dimension kümmern soll. Welche Veranstaltungen sind hier in Vorbereitung?

Die Aufgabe des Beirates für das Gedenk- und Erinnerungsjahr 2018, der sich aus renommierten Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Verwaltung und Politik zusammensetzt, ist einerseits die Koordination von mehr als 200 Projekten mit teilweise internationaler Relevanz, andererseits auch die Vorbereitung offizieller Veranstaltungen und Publikationen. International in Planung befinden sich momentan, neben der bereits erwähnten Kooperation mit der Tschechischen Republik und der Slowakischen Republik, die Wiedereröffnung des österreichischen Pavillons in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau sowie zahlreiche andere Projektvorhaben in Mexiko, Israel und anderen Staaten.

In einem – auch auf YouTube online abrufbaren Video – teilen Sie den Zuschauern folgendes mit: „Wir können und müssen auch im nächsten Jahrhundert die Lehren aus der Geschichte berücksichtigen“. Das Gedenkjahr betreffend: Welche Lehren der vergangenen 100 Jahre sind es, deren Vermittlung Ihnen von besonderer Wichtigkeit sind?

Im Hinblick auf die Nachhaltigkeit des Gedenkjahres ist mir die intensive Befassung mit der jüngeren Geschichte unseres Landes wichtig, um historische Wunden, die noch nicht ganz verheilt sind, zu schließen und zu einer gemeinsamen Geschichtsauffassung zu kommen. Man wird sich an die Hoffnungen, die mit der Gründung der demokratischen Republik vor 100 Jahren verbunden waren, erinnern, und auch an die krisenhaften Entwicklung der Ersten Republik denken. Der demokratische Ansatz von 1918 hat sich aber langfristig als richtig herausgestellt, wie die Geschichte der Zweiten Republik beweist. Diese Lehre zu ziehen soll im Zentrum des 100. Geburtstages der Republik stehen.

 

Fotos: SOCIETY/Pobaschnig

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