Verborgene Schätze

Der Iran ist als Reisedestination noch nicht so bekannt. Das ist schade, denn das frühere Persien hat dem Besucher viele versteckte Schätze zu bieten.

Pure orientalische Exotik – dieses Bild hat man als Reisender im Kopf bevor man den zentralasiatischen Staat besucht. Doch ist der Iran weitaus moderner als man vermuten würde. Die Hauptstadt Teheran ist mit über 15 Millionen Einwohnern eine urbane Metropole mit U-Bahnnetz und moderner Architektur. Speziell ist der innerstädtische Höhenunterschied, der Teheran in zwei Gebiete trennt, vom auf 1100 Metern gelegenen Süden, der vor allem von den armen Stadtbewohnern besiedelt ist, in den auf 1700 Metern liegenden Norden, der im Sommer wesentlich kühler ist und seit jeher Heimat der wohlhabenden Bevölkerung war.

Teheran

Einblick in das alte Persien gewährt der Golestan Palast im Norden der riesigen Stadt. Er wurde im 19. Jahrhundert von Fath Ali Shah inmitten einer von Shah Abbas errichteten Gartenanlage erbaut. Während der gesamten Qajarendynastie diente der Golestan Palast den Herrschern als Residenz und Regierungssitz. So wurde Schah Mohammad Reza dort gekrönt. Besonders beeindruckend sind der Krönungssaal mit einem Marmorthron und der Spiegelsaal. Westliche Motive auf den Kacheln des Palastes zeugen von der damaligen Faszination für Europa. Gleich in der Nähe des Golestan Palastes liegt der größte überdachte Bazar des Nahen Ostens. Auf 200 Hektar präsentieren etwa 30.000 Geschäfte ihre Waren, wobei jedes Handwerk seinen eigenen Bezirk besitzt. Es gibt Abteilungen für Schmuck und Stoffe, Haushaltsartikel und Nahrungsmittel. Große Bedeutung hat immer noch der Teppichhandel, der im Iran eine große Tradition hat. Wer allerdings das Bild von lauten Marktschreiern und wildem Feilschen im Kopf hat wird enttäuscht sein, das Drücken des Preises ist, untersagt und die Iraner zusätzlich ein sehr höfliches und zurückhaltendes Volk sind.

Schiraz

Ruhiger als in der überfüllten Metropole Teheran geht es in Schiraz zu. Die im Südwesten des  Landes gelegene Stadt begrüßt im Frühling mit dem berauschenden Duft ihrer blühenden Orangenbäume. Schiraz ist als Heimat der berühmtesten persischen Dichter Hafis und Saadi sowie  der gleichnamigen Traube bekannt und liegt in einem fruchtbaren Tal in dem Getreide und Obst angebaut werden. Die Zitadelle von Karim Khan ist eines der wenigen Gebäude, das aus dem von Karim Khan erbauten, historischen Viertel erhalten geblieben ist. Der imposante Ziegelbau diente als Regierungssitz und Wohnpalast, war aber auch als Wehranlage in Verwendung. Das Innere der Zitadelle ist mit farbigen Wandmalereien und schönen Glasfenstern verziert. Gleich daneben kann man dem Bazar-e Vakil einen Besuch abstatten. Hier bieten Händler traditionelles Kunsthandwerk und Stoffe an.

In der historischen Altstadt befindet sich die Nasr-al-Mulk Moschee. Sie wird auch die „Rosa Moschee“ genannt, denn anders als bei den üblichen blau-weißen Moscheen enthalten ihre Fliesen detaillierte Pflanzendarstellungen in rosa. Besonders beeindruckend ist der Wintergebetsraum, dessen bunte Glasfenster zauberhafte Farbelemente auf den Boden zeichnen. Schiraz war vor allem für seine Gärten berühmt, von denen aber heute nicht mehr viele erhalten sind. Einer davon ist der Bagh-e Naranjestan (Orangengarten), der üppige Blumenbeete und Orangenbäume hinter seinen Mauern verbirgt. Am Ende des Parks befindet sich ein Palais aus dem 19. Jahrhundert, dessen mehrfarbige Fliesen und sein Spiegelmosaikraum sehenswert sind. Unbedingt ansehen sollte man sich „Bagh- e Eram im Nordwesten der Stadt. Der Eram-Garten wurde im 19. Jahrhundert angelegt und fungiert heute als botanischer Garten. Seine hochwachsenden Zypressen – im Iran ein Symbol für Langlebigkeit – sind besonders berühmt. Bei einem Spaziergang durch die Parkwege des Gartens kann man wunderbar die Seele baumeln lassen.

Persepolis

Nur fünfzig Kilometer von Schiraz entfernt, liegt die wohl beeindruckendste historische Stätte Irans – Persepolis. Der Bau der Residenz aus der Zeit der Achämeniden wurde von König Dareios I um 518 vor Christus in Auftrag gegeben. Dareios ließ dafür Architekten, Handwerker und Materialien aus allen Teilen des Reiches kommen. Daher sind urariätische, assyrische, ägyptische, babylonische und sogar griechische Einflüsse in dem Bauwerk erkennbar. Persepolis diente nicht nur als administratives Zentrum, sondern auch der Ausrichtung großer Feierlichkeiten während des Neujahrsfestes Nourouz. Beim Besuch der Anlage fallen die kunstvollen Reliefs besonders ins Auge, bedenkt man das Alter ihrer Herstellung. Sie zeugen von der architektonischen Meisterschaft dieser Zeit. Das wiederholende Thema in Persepolis ist ein Löwe, der einen Stier reißt. Dieses Motiv steht für das neue Jahr. Im Jahr 330 v. Christus kam das Heer Alexanders des Großen nach Persepolis und plünderte dessen Schätze. Ein Brand zerstörte mehrere Teile der Anlage. Im 3. Jahrhundert verlor die Stadt an Bedeutung und geriet in Vergessenheit, bis sie im 18. Jahrhundert von Europäern wiederentdeckt wurde.

Naqsh-e Rostam

Persepolisbesucher sollten es nicht versäumen, die 4 Kilometer entfernte Grabstätte Naqsh-e Rostam aufzusuchen. Von den Elamern wurde hier im 3. vorchristlichen Jahrhundert direkt in eine Felswand ein Felsrelief angebracht. Später brachten die Achämeniden ihre Grabanlagen und die Sasaniden weitere Reliefs an. Das erste Grabmal wurde von König Dareios I errichtet. Drei seiner Nachfolger kopierten rechts und links davon diese Konstruktion. Die Grabkammern führen ins Innere des Felsens und entsprechen somit den Grundsätzen der Zoroastrischen Religion, in der Leichname nicht in der Erde begraben werden dürfen. Gegenüber der Felswand befindet sich ein aus Kalksteinen errichtetes Gebäude, von dem Archäologen vermuten, dass es als sasadinischer Feuertempel gedient haben könnte.

Isfahan

Im Zentrum des Landes liegt die malerisch-schöne Stadt Isfahan. Ihr einen Besuch abzustatten, sollte bei keiner Iranreise fehlen. Beginnen sollte man dabei mit dem imposanten Meidan-e Imam, einem 500 Meter langen und 150 Meter breiten Platz, der an allen vier Seiten von Arkaden umgeben ist. Hier kann man gleich vier Sehenswürdigkeiten Isfahans besichtigen. Die Imam-Moschee ist ein beeindruckendes Bauwerk aus dem 17. Jahrhundert. Ihre hohen Wände sind mit kunstvollen Mosaiken in blau-türkis ausgekleidet. Kleiner, aber nicht weniger schön, ist die Masjed-e Scheich Lotfollah Moschee. Sie war nur den Angehörigen des Königs zugänglich und besitzt weder Minarett noch Hof. Sie ist ein Meisterwerk an Farbgestaltung, die ockerfarbenen Fliesen der Kuppel werden von schwarz-weißen Arabesken durchzogen, die blau gefüllt sind. Gegenüber der Lotfollah Moschee erhebt sich der Torpalast Ali Qapu. Der 70 Meter hohe Bau diente dem Schah als Sitz der Verwaltung und Empfangssaal für Gäste. Seine Terrasse bat dem König perfekte Sicht auf die auf dem Platz stattfindenden Polospiele. Seine schweißtreibenden 90 Stufen belohnen mit einem grandiosen Ausblick über die Stadt. Liebhaber des Kunsthandwerks sollten unbedingt den Bazar am Ende des Königsplatzes besuchen. Der überdachte Markt bietet traditionell hergestellte Teppiche, Schmuck, Kupfererzeugnisse sowie die typischen, bedruckten Baumwollstoffe.

Abyane

Versteckt in den Bergen liegt das ursprüngliche Dorf Abyane. Seine teils mehrstöckigen Häuser sind  aus roten Lehmziegeln erbaut. Kleine Gassen winden sich durch die Siedlung, in der fast nur noch ältere Einwohner leben, die ihre Produkte wie getrocknete Früchte und Kräuter den Touristen anbieten. Ein Spaziergang durch das malerische Dörfchen mutet wie eine Zeitreise in eine vergangene Epoche an.

Kashan

Die blühenden Rosengärten Irans (Golestan) findet man in der Provinz Kashan im Zentrum des Landes. Hier wird aus duftenden Damaszenerrosen das in der persischen Küche gerne verwendete Rosenwasser hergestellt. In der Hauptstadt Kashan findet man einen der schönsten Gärten des Landes. Der Bagh-e Tarikhi-ye Fin wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Gespeist von einer Quelle, wird die Anlage von Wasserläufen und Springbrunnen durchzogen. In seinem zweistöckigen Palast haben sind noch ursprüngliche Wandmalereien erhalten.

Einen spannenden Einblick in das frühere Leben bietet das Bürgerhaus Borujedi aus dem 19. Jahrhundert. Hier kann man die Trennung von öffentlichem und privatem Bereich besonders gut wahrnehmen.

Auf einer Reise zeigt sich, dass der Iran viele Gesichter hat. Moderne Großstädte und antike Kulturdenkmäler bestehen wie selbstverständlich nebeneinander. Was jedoch am meisten in Erinnerung bleibt ist die Freundlichkeit seiner Bewohner.

Reiseinformation:

Iran Air

Direktflug Wien-Teheran mehrmals die Woche

Tourinformationen Adineh Travel

Piazza Armando Diaz, 6, 20123 Milano, Italien

Telefon: +39 02 8909 6136

Webseite: www.adinehtravel.com

Foto: Tanja Tauchhammer

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